Trauerbewältigung – mein Pferd musste „gehen“

Ein nicht sehr schönes Thema, aber ein Thema welches uns alle betrifft oder leider einmal betreffen wird…
Trauerbewältigung – vom Loslassen und Akzeptieren…

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Ein geliebter Mensch oder ein geliebtes Tier stirbt und als „Zurückgelassener“ wird man von einer unglaublichen Trauer übermannt.
Ich habe gerade mein Seelenpferd verloren und versuche jetzt aus meiner Sicht die „Dinge“ zu erklären, zu verstehen und ja vielleicht sogar Wege aus der Trauerkrise aufzuzeigen.

Was mich gerade selber ein wenig „schockiert“ ist die Klarheit die ich für mich, nach nur 5 Tagen schon erreicht habe.

Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich mich die letzten paar Jahre intensiv mit mir und ja „Wegen aus Krisen“ beschäftigt habe.
Im ersten Moment bin ich zwar bei jeder neuen Krise selber noch aus der Spur aber eigentlich weiß ich ja im Grunde meines Herzens was ich tun sollte um da wieder rauszukommen.

Versteht mich nicht falsch, ich finde es nach wie vor eine RIESENGROSSE SCHEISSE dass Legolas mit nur 6 Jahren aus dem Leben gerissen wurde und JA so egoistisch bin ich jetzt: MIR genommen wurde.
Aber da sind wir jetzt auch schon am Punkt. Er wurde mir genommen, weil ich noch da bin (ich habe hier auch noch einiges zu tun auf dieser Welt) und für ihn ist es jetzt sowieso besser. Daran glaube ich fest.
Ich habe keine Angst vor dem Tod, ich möchte nur dass es meinen Lieben gut geht wenn ich mal gehe und das die Menschen und Tiere die mir wichtig sind gut versorgt sind und eben geliebt werden weiterhin.

So, und jetzt ist der Punkt da wo ich nicht genau weiß wie viel ich euch erzählen soll von dem was mir in den letzten Tagen passiert ist…
Manche Menschen werden nämlich glauben ich gehöre in die Klapse.
Andererseits wäre ich nicht ich wenn ich nicht absolut ehrlich wäre.
Das macht mich aus, das schreibe ich in meinen Büchern und JA das ist eben ein Herzmensch.
Es würde sich einfach nicht richtig anfühlen nicht die volle Wahrheit zu sagen.
Ihr kennt mich so, ich bin einfach so, war schon immer so und ich erzähle euch die ganze Zeit ihr sollt auch so sein… Echt, eben.
(So und NUR so geht man mit Tieren, speziell mit Pferden, um! Authentisch! Großes Thema in: Wege zur Harmonie mit dem Pferd und dem zweiten Buch… die merken sowieso wenn ihr euch verstellt, da könnt ihr das auch gleich lassen)

Okay, dann schnallt euch an *zwinker* – wieder einmal kommt die volle ungeschminkte Wahrheit, die bestimmt nicht jeder hören will, weil der die auch einfach nicht begreifen kann.

Im Prinzip kann es mir ja auch egal sein wenn jemand glaubt ich bin ein wenig verrückt.
Ist ja alles Ansichtssache und die Hauptsache ist doch ich kann mit dem Tod meines geliebten Pferdes jetzt umgehen.

Also dann fange ich mal an… Im Grunde wusste ich wahrscheinlich schon Wochen vorher dass er gehen würde.
Ich hatte oft Albträume mit dem Thema „Verlustangst“ und in letzter Zeit immer so ein komisches Gefühl.
Gut kann Zufall sein, muss aber nicht. Manchmal ist es sowieso besser wenn man gewisse Dinge nicht im Vorfeld weiß – geahnt habe ich es eben wahrscheinlich schon – oder Legolas  – wie auch immer.
Auch hab ich der Tierärztin gesagt sie soll unten beim Kronbein unbedingt noch ein Röntgenbild machen – da stimmt was nicht – wollte sie nicht glauben…Ich habe aber darauf bestanden… und hatte leider recht. Es nützt auch nichts jetzt Groll zu hegen oder Vorwürfe zu machen, die erste Diagnose war ja auch richtig, die Sehne war ab, nur war eben dann doch noch mehr…

Das Einschläfern war wirklich total friedlich und auch sein Ausdruck war entspannt und ganz ruhig – auch die letzten Wochen wo wir dachten es ist „nur“ die Sehne gerissen und als er eben die Boxenhaft hatte war er erstaunlich ruhig und auch ganz klar und friedlich vom Auge her. Ja fast zufrieden. Gut ihm war manchmal langweilig, aber er hatte nur einmal so ein „Schmerzauge“. Wie immer hat er mich wiehernd begrüßt und war ganz normal.
Also wie auch immer, jedenfalls schwöre ich als sein Körper dann eben tot am Boden lag und ich weinend seinen Kopf gestreichelt habe war Lego als „Geist“ über mir. Als wollte er mich beruhigen – ich kann das gar nicht beschreiben, ich hab auch so geheult und war natürlich neben der Spur – aber ich hab ihn gesehen und das ist kein Witz.

Jetzt könnt ihr denken was ihr wollt … Ich bin jedenfalls ziemlich klar im Kopf und neige überhaupt nicht dazu mir etwas einzubilden.
Auch nicht in Ausnahmesituationen.
Ich sehe die Welt gerne rosarot und bin fröhlich, sarkastisch und lache viel und gerne – aber: ich bin dennoch sehr gefestigt in meinem Sein und in meinem Leben.
Zulassen, fühlen und sensibel sein, bedeutet nicht „doof“ zu sein und jeden Idioten in sein Leben zu lassen oder jeden Mist zu glauben den andere verzapfen.
Verlange ich von euch auch nicht!
Würde ich nie tun, ich beschreibe nur meine Erfahrung und meine Ideen für mögliche Wege aus der Trauerkrise.
Entscheiden, was wer wie macht, muss jeder für sich selber.

Zurück zum Thema:
Das ist mir noch nie vorher passiert und ich musste schon einige Tiere gehen lassen in den letzten 38 Jahren.
Aber die Verbindung die ich mit Legolas hatte war auch einfach anders von Anfang an.

Jedenfalls ist eine Welt für mich zusammengebrochen, so einen tiefen Schmerz habe ich noch nie bisher erlebt.
Ich weiß verstehen jetzt wieder viele nicht, weil die sagen: es war doch nur ein Tier… blabla…
Die drei folgenden Tage hab ich kaum gegessen, fast nichts geschlafen, ständig geweint und eben mit meinem Schicksal gehadert.
Dann kam die Phase in der ich absolut leer war und Kopfschmerzen hatte (und auch noch bisschen habe),  körperlich angeschlagen war (und noch bin), müüüde (kein Wunder),  lustlos….
Aber: jetzt bin ich ganz klar und erstaunlicherweise ohne Groll gegen die höheren Mächte.
Es wird seine Gründe haben, auch wenn ich die jetzt im Moment einfach nicht verstehen kann und wahrscheinlich auch nicht muss. Es ist wie es ist.

Eine liebe Freundin (macht so „Sachen“ beruflich) hat zu mir gesagt dass ich ihn geheilt habe, ihm Liebe gegeben habe und er eben Altlasten verarbeitet hat und dadurch jetzt geheilt und frei gehen konnte. Ich nehme das für mich so an und glaube das auch, weil mir das hilft.

Der TA hat gesagt wahrscheinlich überzüchtet und eben in der Wachstumsphase falsche Haltung / Fütterung etc. – sonst würde es das nicht geben dass ein Knochen im normalen Galopp bricht – einfach so (ich hab das ja zufällig gefilmt und eben auch dieses Video an die Klinik gesendet – das hab ich aber nicht online gestellt damals – ist mir einfach einen Tick zu privat).
Das so etwas passiert, gibt es eben nur einmal von einer Million Pferden (Knochen brechen und Sehne abreissen).
Jetzt bin ich aber der Meinung dass sowieso irgendwas passiert wäre, weil eben irgendeine höhere Macht bestimmt hat Lego ist jetzt reif
„nach Hause“ zu gehen.
Man steckt eben nicht drinnen… und vielleicht werden wir irgendwann verstehen…

Das ist jetzt einfach das was ich denke und empfinde – muss auch überhaupt nicht stimmen – aber ich schreib euch halt was ich denke aktuell.

Moving on does´t mean forgetting.
It means you choose happiness over hurt.

Im Moment bin ich wirklich relativ stabil.
Natürlich immer noch traurig (wird auch noch andauern und ja, ab und an darf ich auch weinen), aber ganz anders als diese die ersten drei, vier Tage – die waren echt der reinste Horror.
Mir geht es wieder gut!
Ich habe entschieden zu akzeptieren und das Glücklichsein dem Schmerz vorzuziehen!

Vielleicht kann ich so manch einem helfen schneller aus der schlimmen Trauerphase rauszukommen.

Versuch einer Analyse der Trauer und mögliche Wege AUS dieser Krise:

In der ersten Phase glaubt man es wird einem das Herz rausgerissen und man kann nur schwer mit dem Schmerz umgehen.
Dann kommt die Phase der Wut und des einfach nicht Verstehens dieser „Ungerechtigkeit“ und eben die Frage nach dem Warum.
Der letzte Schritt ist dann: Loslassen und Akzeptieren der neuen Situation.

Also, meine erlebten Phasen:
 
1)   Traurigkeit, großer Seelenschmerz, Weinen
2)   Wut und Nicht verstehen (Warum passiert das mir?…)
3)   Müde und leer sein – kraftlos – das Gefühl haben ich kann
nicht mehr

4)   Loslassen und Akzeptieren
5)   Schöne Erinnerungen für immer im Herzen behalten und sich
      daran erfreuen
6)   Wieder Liebe zulassen

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Meiner Meinung nach, wichtige Schritte aus dem tiefen Seelenschmerz:
 
Rauslassen der Gefühle! Weinen, weinen, weinen, … Wütend sein wenn nötig – schreien – wieder weinen -… egal was, aber RAUS DAMIT!  Weinen ist nicht schwach oder schlecht – es reinigt und befreit auch irgendwann vom Schmerz.
Weinen bedeutet nicht verletzlich zu sein, sondern STARK – Weinen ist echt, klar und reinigt die Seele. Niemals in sich reinfressen – lasst es raus! Ich hab meinen Schmerz gelebt, egal was andere Menschen von mir gedacht haben in der Zeit.
Ich war und bin traurig und das kann auch jeder wissen! Wenn ich glücklich bin weiß es auch jeder. So.

Akzeptieren der Situation.
Ändern kann man es sowieso nicht, der Schmerz wird nur gesteigert wenn man nicht anfängt zu akzeptieren. Lösen von der Vergangenheit und die schönen Erinnerungen mitnehmen.
Akzeptieren bedeutet Loslassen.
 
Verletzt sein dürfen und das zulassen. Einfach Gefühle leben!
Bekämpft nicht eure Gefühle denn dann bekämpft ihr euch selber.
Öffnet euer Herz auch wenn ihr dadurch manchmal verletzt werdet,…
das macht nichts.
Dafür seid ihr rein und klar und ehrlich und könnt euch jeden Tag im Spiegel angrinsen ohne schlechtes Gewissen.
Bekämpft euch bitte nicht selber!

REDEN. Absolut wichtig. Redet darüber mit euren Bezugspersonen. Immer und immer wieder, die werden das verstehen wenn die euch lieben und auch ein wenig Klarheit in die Situation bringen durch das miteinander darüber reden.

Der Tod gehört zum Leben dazu genau wie die Geburt.
Auch wieder: akzeptieren.

Warum manchmal Tiere oder Menschen in jungen Jahren gehen müssen, weiß ich nicht und ich finde das auch richtig ungerecht, zumal das ja immer so liebe, reine Tiere sind (kommt mir zumindest so vor), aber es ist eben wie es ist und ich kann das nicht verhindern.

Sonst bin ich es gewohnt zu kämpfen, stehe eigentlich mit beiden Beinen im Leben.
Manches kann man aber eben nicht „erkämpfen“ oder erzwingen.
Das ist einfach die „höhere Gewalt“ auf die wir eben auch keinen Einfluss haben.
Wieder: Thema Akzeptanz.
Bleibt uns ja auch nichts anderes übrig.
Was bringt es mit dem eigenen Schicksal zu hadern und ständig traurig durch das Leben zu gehen???

Es gibt auch noch Menschen die uns lieben, die sich Sorgen machen.
Diese wichtigen Menschen haben es echt nicht verdient dass man sich gehen lässt und seinen Lebensmut und Frohsinn verliert.
Außerdem bringt es einem selber nichts in Selbstmitleid zu versinken.
Trauern und eben traurig sein JA, ABSOLUT (Gefühle leben)!
Aber: mit Herz und Verstand.

Lehnt euch bei eurem persönlichen Herzmensch an, lasst es zu dass ihr getröstet werdet und lasst euch halten und lieben.
Bitte macht nicht dicht und lasst niemanden mehr an euch heran.
Ihr zieht sonst auch die Personen die euch lieben in den negativen Strudel, wenn ihr nicht zulasst dass euch jemand hilft in schweren Zeiten.

Steckt eure Energie wieder in die LIEBE und akzeptiert die traurige Situation einfach wie sie ist- annehmen der quasi höheren Gewalt.
Lernen damit umzugehen und damit zu leben.
Nur wer sein Herz öffnet kann Liebe zulassen und eben auch geliebt werden. Kommt wieder bei euch selber an, liebt euch selber, lebt die Gefühle und vor allem LEBT weiter!
Es gibt ja auch Menschen die euch lieben und brauchen und es wäre absolut nicht fair sich einzuigeln und eben abzuschotten und die WICHTIGEN Menschen nicht mehr an sich ranzulassen.

Und auch noch wichtig: Schätzen was man hat und DANKBAR sein dafür!
Sterben müssen wir alle mal – auch das sollte uns bewusst sein.

Aber: bitte immer ehrlich zu sich selber bleiben – auch hier nicht spielen – ihr wisst ja selbst ob ihr stabil seid oder eben noch nicht.
Kommt ihr selbst nicht aus dieser Trauerphase raus, dann bitte sucht euch professionelle Hilfe.
Das ist auch kein Beinbruch – Hauptsache wieder zurück ins Leben.
Sport, gesunde Ernährung und eine positive Lebenseinstellung helfen auch psychisch und physisch FIT zu werden für das Leben.
Wer hier gerne mehr wissen möchte: Fit for Fair Riding und Glücklich und Fit lesen… (Startseite HP hier)

So, viel Text und dennoch nicht alles gesagt – ein mega Thema irgendwie…
Alles Liebe, Dani.
(Text: Daniela Geiger, 9.2.2016)

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2 Gedanken zu „Trauerbewältigung – mein Pferd musste „gehen““

  1. Ich habe erst vor kurzem mein Seelenpferd gehen lassen müssen. Auch ich hab es erahnt, obwohl er zu dem Zeitpunkt gesund war. Aber ein schleichendes Gefühl im Gelände, dass unsere Reise ein Ende haben wird hat sich plötzlich bewahrheitet.

    Ich bin noch mitten im Trauerprozess und finde noch nicht heraus. Ich komme immer wieder bei der Wut an, auch weil ich an sich sehr viel zu bewältigen habe. Meine Schultern sind schwer beladen mit Problemen auf die ich keinen Einfluss nehmen kann. Das einzige was mir Halt gab war mein Seelenpferd. Und nun wurde er mir auch noch genommen.

    Ich wünsche Dir und allen anderen, die in ihrem Leben mal am diesem Punkt stehen viel Kraft und alles Gute

    1. Liebe Tati, das tut mir sehr leid und ich kann dich so gut verstehen… Bitte schreib mir gerne auf Facebook eine PN oder eine mail an ferrero@gmx.at – ich weiß da vielleicht was was dir helfen könnte… GLG und Kopf hoch!!!

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