Problem: das Pferd driftet in Wendungen mit der Hinterhand weg

Wegdriften/Ausbrechen
der Hinterhand in Wendungen?
Lösungsvorschlag von mir.

Vermehrt bekomme ich in letzter Zeit die Frage was man den tun könnte wenn die Pferde nach außen wegdriften mit der Hinterhand bei Wendungen, Volten, Zirkellinien…

image-61

Also ehrlich gesagt ist mir ein bisschen mulmig wenn ich euch diese Frage jetzt beantworte, weil ich das so komplett anders mache bzw komplett anders gelernt habe von meiner Mama, wie 90 % der restlichen Reiter…

Es ist auch schwer solche Sachen in Worten zu beschreiben ohne dabei live in der Reithalle zu stehen…

Aber egal, ich versuche das jetzt einfach.

Noch einmal Vorneweg:
Ich mache das so, das bedeutet nicht dass das richtig ist – für mich funktioniert diese Art wunderbar und bei jedem Pferd – aber ich sage nicht was andere behaupten ist falsch und ich möchte wirklich niemandem meine Meinung aufzwingen. Es wurde einfach vermehrt danach gefragt…
Meine Mama hat mir den Sitz beigebracht und ich mache wirklich drei Kreuze dass ich sie als Reitlehrerin habe – eine der wenigen die wirklich unermüdlich und immer wieder DEN REITERSITZ korrigiert. (Danke, Mama – dickes Bussi dafür )

Unser Sitz ist folgender (ganz klassisch alte Schule):
„Popo-Ferse“ eine Linie – Schultern zurück – kein Hohlkreuz – gewisse Körperspannung muss vorhanden sein – nach unten federn mit dem Fussballen (also einfach gesagt hoch und runter mit sitzen in der Bewegung – nicht schieben wie viele das machen).

Wie reite ich in und durch eine Wendung?

Sitzparade (kurzes anspannen und zurücknehmen) vor der Wendung – auch vor jeder Ecke (das merkt jemand der zusieht nicht oder kaum) um ein hineinjagen zu verhindern.
Das innere Bein treibt an den äußeren Zügel und
der Außenschenkel begrenzt das Pferd ganz leicht verwahrend (minimal verwahrend)
Ich schaue auf das äußere Pferdeohr um nicht nach innen abzukippen im Beckenbereich und lasse
den äußeren Ellbogen dran (also an meinem Körper – Hüftbereich) um nicht im Schultergürtel zu drehen.
Sollte es notwendig sein außen vorzugehen weil ich innen stelle dann gebe ich den Unterarm etwas vor aber ohne dabei im Becken nach innen zu drehen.
Ich bleibe also gerade sitzen.
Ich für mich habe einfach das Gefühl wenn ich nach innen drehe dann gebe ich außen frei und das Pferd bricht weg mit der Hinterhand.
Im Galopp schaue ich auch oft bewusst nach außen mit meinem Kopf damit ich geradeaus reite auch in der Wendung und eben nicht mit dem Becken drehe. Der Hauptfehler ist ja meiner Meinung nach von vielen beim nach innen drehen das zurückgehen mit der inneren Hüfte… und dadurch sind Reiter und Pferd nicht mehr parallel.
 
Durch das leichte verwahren des Außenschenkels sitzt man automatisch etwas auf dem inneren „Gesäßknochen“ (also es ist nicht der Gesäßknochen – bisschen weiter vorne mittig – Sitzknorren? – Ich weiß nicht wie das heißt) die Hüfte geht dann etwas vor innen.

Wie erklär ich das jetzt?
Das geraderichten vom Pferd ist ja super wichtig, schon alleine um die natürliche Schiefe auszugleichen.
Gerade richten des Pferdes ist ja speziell im Galopp schwer, finde ich – Tendenz Schultervor und eben trotzdem außen dran bleiben und nicht innen einknicken in der Hüfte! Gerade sitzen bleiben.

Einfache Übung – bitte jetzt vom Bürosessel aufstehen 😉 :
Stellt euch mal  hin und dreht mit der Hüfte nach links – was passiert?
Ihr belastet euer links Bein mehr (knickt dabei leicht das Knie) und „hebt“ durch das vordrehen außen eure Hüfte/Popo leicht nach vorne oben.
Wenn ihr auf dem Pferd sitzt wäre es das Gleiche –
Für mich ist es aber so wenn ich also drehe und vermehrt innen sitze – hebelt außen mein Sitzbereich etwas hoch und nimmt mir die begrenzende Hilfe.
Das sind natürlich alles nur Nuancen… Für mich ist es einfach logischer – zwar innen mehr auf den Bügel zu drücken und zu biegen (mit dem Innenbein Reiter) aber eben nicht drehen oder in der Hüfte innen einknicken. Im Gegenteil ich sitze sogar ein bisschen mehr außen in der Wendung…

Alles unklar? 😉

Also: innen mehr mit dem Fussballen nach unten federn und eben biegen durch hindrücken vom Bein –
aber den äußeren Ellbogen dran lassen und eben nicht nach innen drehen im Becken/Hüftbereich- sondern gerade bleiben. Natürlich auch nicht nach außen drehen…
Wir reden hier jetzt nur von Zirkellinie oder Volten reiten – nur damit das verständlich ist.
Bei Traversale und Co belaste ich natürlich eine Seite mehr oben im Sitz – schon alleine weil da ein Bein verwahrend ist – passiert dann quasi automatisch.
image-62

Wichtig ist bei Seitengängen: wenn ihr ein Bein zurücknehmt dass ihr von oben aus der Hüfte „auskugelt“ und nicht nur unten ab dem Knie den Unterschenkel zurücknehmt.

Und im Galopp bitte NICHT das äußere Bein zurücklegen – wenn ihr dann mal Traversale reitet oder ähnliches wie soll das Pferd bitte den Unterschied verstehen? Jedes Pferd galoppiert auch an ohne dass ihr den Außenschenkel zurücknehmt.
Man kann ja auch im leichten Sitz angaloppieren nur mit dem Innenbein und einem „anheben der inneren Hüfte.

Idee für das Training: im leichten Sitz aus dem Trab üben angaloppieren und durchparieren.
Zum durchparieren braucht ihr nur eure Becken/Hüftbewegung stoppen – quasi „Kreuz und Popo anspannen“ – gegen die Bewegung „sitzen“.

TIPPS Sitz:
Beispiel leichter Sitz:
hier ist das Knie und der obere Bereich Wade dran – auch beim Leichttraben ist das so.
Gute Übung: Leichttraben ohne Bügel.
Der Winkel ist trotzdem Popo Ferse eine Linie (also die Wade zurückwinkeln)

Beim Aussitzen ist aber das Knie leicht geöffnet , bzw nur der hintere Bereich am Pferdekörper.

Das Bein muss unabhängig sein vom Oberkörper – und es gilt immer Hand ODER Bein.

Noch ein Tipp:
Viele ziehen das Bein hoch weil geglaubt wird man kann besser treiben dadurch – genau das Gegenteil ist der Fall –
Wer hochzieht der klammert und bremst quasi durch spannen das Pferd. Lang sitzen und mit dem oberen Bereich bei der Wade treiben – locker im Sitz – also kein anspannen ist vorwärts.

Natürlich gibt es triebige Pferde – da ist es auch schwieriger schön zu sitzen.
Manchmal hat es aber eine Ursache wenn ein Pferd faul ist.

Auch für Reitanfänger ist es fast unmöglich gut zu sitzen, weil die es natürlich nicht schaffen ein Pferd durchlässig zu bekommen… Der Sitz und das Bein fehlt eben noch.
Wie soll man auf einem Brett gut sitzen können?
Viele Sitzlongen können da helfen den Sitz einfach zu verbessern.

image-63

Bei jedem Foto könnte man jetzt etwas bemängeln an meinem Sitz…
Ich arbeite stetig an mir und meinem Sitz und das ist auch immer notwendig und perfekt wird der wahrscheinlich nie werden. Der Weg ist das Ziel.

Diskutieren möchte ich auch nicht (und werde ich auch nicht) über diesen Blogartikel-
es ist einfach unser Weg der so funktioniert bei allen Pferden, für uns.

Manches ist auch einfach schwer in Worte zu fassen und zu erklären – Reiten ist halt auch einfach FÜHLEN.

Es ging nur darum unseren Sitz in Wendungen zu erklären – wer das falsch findet oder anders reiten möchte, für mich kein Problem.

Jeder wie er es für richtig empfindet.

Eine gewisse Körperspannung ist auch beim Reiter wichtig.

Tipp:
Gymnastik und Ausdauertraining zusätzlich machen für besseres REITEN. Nur wer fit ist und auch Balance beherrscht kann losgelassen und locker sitzen und auch mal anspannen oder hindrücken wenn nötig.

Die krumme Haltung fällt auch weg, wenn der Reiter eine gute Rücken- und Bauchmuskulatur hat.

Reiter UND Pferd sollten physisch und psychisch FIT sein –
eine Einheit – GANZHEITLICH.
(Also: Sport, Ernährung, innere Balance bei BEIDEN)

image-64Jeder der noch nicht jahrzehntelang reitet wie ich, sollte sich einen guten Reitlehrer suchen der auf den Sitz eingeht um dann eben ganzheitlich an diesen „irgendwas ist immer“ Sachen zu arbeiten.
Und JA sogar jeder der schon „ewig“ reitet, sollte sich seinen Sitz immer wieder korrigieren lassen!

Reitet mit Herz und Verstand und reitet eure Pferde GLÜCKLICH!

Alles Liebe, Daniela.

 

 

2 Gedanken zu „Problem: das Pferd driftet in Wendungen mit der Hinterhand weg“

  1. Liebe Daniela,
    danke für den tollen Artikel!
    Ich finde, du hast eine tolle und motivierende Seite. Außerdem denke ich, du erreichst sehr Menschen mit dem was du tust.
    Lass mich bitte noch etwas ganz wichtiges zu diesem Artikel ergänzen..
    LIEBE REITERSLEUTE:
    wenn euer Pferd ständig die Hinterhand heraus dreht, dann ist die Wendung entweder noch zu klein oder das Tempo noch zu hoch.
    Bitte macht nicht den Fehler und jagt euer Pferd durch zu enge Wendungen. Fußt ein Pferd nicht richtig in seine Spur, ist es auch noch nicht Geradegerichtet. Ihr überlastet Sehnen,Bänder und verzögert das Geraderichten um einiges, wenn ihr es zu früh verlangt. Reitet bitte die Wendungen so groß, oder so langsam, dass euer Pferd in seine Spur fußt. Ihr werden mit dem vermehrten Geraderichten dann die Wendungen kleiner und schneller Reiten können.
    Bitte bitte bitte, lasst euren Pferden die Zeit, die sie brauchen und fordert nicht zu schnell zu viel.
    Euer Pferd und dessen Gesundheit werden es euch danken!

    Tut mir leid, liebe Daniela.
    Aber das brannte mir auf der Seele. Ich verfolge weiterhin deine Seiten 🙂

    Liebste Grüße,
    Lia

    1. Liebe Lia, das muss dir nicht leid tun 🙂 Ich setzte manchmal vieles einfach voraus und es ist gut, wenn du darauf hinweist, dass das nicht explizite im Artikel steht 🙂 GLG

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.