Pferdegerechtes Reiten? Momentaufnahmen? Oder doch Quälerei?

Pferdegerechtes Reiten – Wie kann man das als „Nicht-Profi“ erkennen?

Harmonisch und pferdegerecht so sollte es in jeder Trainingseinheit und auf dem Abreiteplatz zu gehen.
Leider ist das oft nicht der Fall.

Ich versuche ein paar Punkte aufzuzählen mit denen man ein meiner Meinung nach pferdegerechtes, feines, harmonisches reiten erkennen kann.
Sozusagen das Auge schulen für uns Freizeitreiter.

Bitte nicht alles gleich verurteilen (auch nicht gleich jedes Foto verurteilen, ja es gibt Momentaufnahmen), sondern ein paar Minuten hinsehen und schauen ob das nur ein kurzer Moment war oder sich über einen längeren Zeitraum hinzieht.
Nicht immer gleich ein „sich den Hilfen entziehen“ + kurzes Wiedersetzen mit angemessener Korrektur des erfahrenen Reiters gleichsetzen mit Tierquälerei.

Die folgenden Punkte können auch, sofern das nur ein kurzer Moment ist nicht schlimm sein, das ist ein Leitfaden aber unter Beobachtung des Gesamtbildes.

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Wie erkenne ich dass es dem Pferd unter dem Reiter NICHT gut geht?

·      Kopfschütteln oder Kopfschlagen
·      Andauerndes Schweifschlagen – am schlimmsten „rudern“ mit
       dem Schweif (kreisartig)
·      Eventuell Zähneknirschen
·      Buckeln, Steigen
·      Ständig angelegte Ohren
·      Falsch gezäumte Kandare
·      Rollkur bzw LDR (LDR leider 10 Minuten erlaubt –
       Warum weiß keiner ist aber leider so) der Kopf wird vom Reiter
       zwingend zur Brust gezogen, schlimmstenfalls noch
       „rechts – links“ gestellt. Ich nenne das jetzt mal riegeln.
·      Blau verfärbte Zunge
·      Blut aus dem Maul
·      Grober Sporeneinsatz, schlimmstenfalls Blut am Bauch
       vom unsachgemäßen Sporengebrauch
·      Hiebe mit der Gerte (geht gar nicht!!!) Eine Gerte dient zum
       feinen Unterstützen der Hilfen NICHT zum schlagen eines Pferdes.
·      Seht immer auf die Hinterhand beim Pferd, tritt die ordentlich
       unter (der Motor ist nun mal hinten) ist meist alles in Ordnung
       und der Rücken schwingt mit.
       Immer das Pferd als ganzes sehen, nicht nur die
       vielleicht herausragende Vorderhand.
       Die Kruppe muss runter die Vorhand bergauf,
       das aber über einen schwingenden Rücken.
       Funktioniert also nur wenn die Hinterbeine untertreten.
·      Wirkt das Pferd gelassen oder gestresst?
       Augen, Ohren, Nüstern ansehen.
·      Der Reitersitz! Ja eigentlich das Wichtigste…
       Klemmen, klammern, Hände nicht unabhängig, riegeln,
       rollen, reinstechen, ins Kreuz plumpsen,…
·      Unsachgemäßer Hilfszügeleinsatz (unglaublich auf was für
       absurde Ideen manche Reiter kommen was man nicht alles
       den Pferden überall rumschnallen oder reinschnallen kann)
·      Schreit der Reiter mit dem Pferd?
       Reisst der Reiter abrupt am Zügel? Aggressives Reiten

ABER ACHTUNG bei Beurteilungen von Fotos!
Ohren zurück heisst zB nicht immer gleich „Schmerz“ – es kann auch die Aufmerksamkeit des Pferdes auf den Reiter bezogen sein.

Das Pferd sieht soooo traurig aus – ihr Lieben das ist EIN Foto, manchmal schaut ein Pferd halt so. Ich schau auch mal traurig ohne besonderen Grund, könnte auch gelangweilt sein…
Von JEDEM Reiter kann man schlechte Fotos machen!

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Was nicht heisst dass eine Momentaufnahme nicht Tierquälerei sein kann! Das meine ich nicht. Ich denke nur man sollte vorsichtig sein wenn man Bilder und Fotos vorschnell verurteilt.
Für ein richtiges Urteil muss eine Fotoserie fotografiert werden oder ein Video gemacht um das in den meisten Fällen wirklich beurteilen zu können.
Wie ich darauf komme?
Ganz einfach: Lasst euch doch mal fotografieren beim Reiten. Oder seht euch die ganzen Reitfotos in eurer FB Freundesliste an. Perfekt?
Eher nicht oder? Das ist auch nicht schlimm, wir lernen alle noch, es geht nur darum nicht immer alles gleich zu verteufeln. Meine Güte dann haben die Freizeitreiter halt einen Klemmsitz, egal, solange nicht darunter steht das alles perfekt ist.

Ist es ein Profireiter, ja dann dürft ihr den Sitz kritisieren 😉 Der ist ja schliesslich Profi 😉 kleiner Spaß.
Wieviele von 50 Fotos gefallen euch (von euch selbst beim Reiten) und bei wievielen denkt ihr „ui je! Hab ich schon wieder die Kutscherfaust / warum schaue ich immer auf den Boden / der Zügel springt / …“
Ein gutes Reitfoto zu bekommen ist einfach schwierig.
Ein sehr gutes Reitfoto hab ich noch immer nicht in meiner Fotosammlung. Leider. Wahrscheinlich muss ich da noch mindestens 20 Jahre üben das mal der Sitz soweit passt um auch ein perfektes Foto schiessen zu können.

Abschliessend möchte ich nur noch darauf hinweisen dass wir vielleicht im Internet und nur aufgrund von „Momentaufnahmen“ vorschnell urteilen und wir doch (hoffentlich) im Grunde alle nur das Beste für unser Pferd wollen.
Wir haben die Verantwortung für unser Pferd und sollten gut für das Tier sorgen und seine Nutzung seiner persönlichen Leistungsbereitschaft anpassen.

Seht ihr jemanden in einer Reithalle oder auf einem Arbeitsplatz der mehrere Minuten nicht pferdegerecht reitet: GREIFT EIN! Macht den Mund auf und sprecht die Personen an! Traut euch 🙂 Alles Liebe, Dani.

(Text: Daniela Geiger)

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